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7Feb/115

Arbeitszeugnis abschaffen?

Mit dem Fall des pädophilen Sozialpädagogen ist das Thema Arbeitszeugnis wieder prominent geworden. Obwohl der Mann entlassen werden musste hatte er immer ein positiv formuliertes Arbeitszeugnis erhalten. Dies sei auch der Grund, wieso er immer wieder eine Stelle gefunden hat, bzw. mit ehrlichem Arbeitszeugnis hätte vieles verhindert werden können. (Über die Forderung, solche Daten austauschen zu können, sehen wir aktuell mal hinweg, das ist dann ein anderes Thema ...)

Wer schon mal so ein Arbeitszeugnis erstellen musste, weiss wie schwierig das ist. Es ist bekannt, dass die Jobsuche mit einem schlechten Arbeitszeugnis sehr schwierig wird. So werden natürlich richtig negative Formulierungen vermieden. Man will anschliessend endlose Diskussionen mit dem Mitarbeiter verhindern. Auch müssen Arbeitszeugnisse sowieso grundsätzlich positiv formuliert sein.

Dann gäbe es noch das Thema mit der Codierung. Da heutzutage eher verpönt, ist es üblich, im Zeugnis anzumerken, dass keine Codierung verwendet wurde. Trotzdem wird im Zeugnis "zwischen den Zeilen" gelesen. Eine, bewusst oder unbewusst, nicht ganz glückliche Formulierung kann also zum Verhängnis werden. Wer glück hat, kriegt sein Arbeitszeugnis von einem erfahrenen HR erstellt, das sich damit auskennt. Vor allem aber bei kleineren Firmen ist das nicht immer gegeben. Hier können sich schnell mal gut gemeinte Formulierungen einschleichen, die falsch interpretiert werden können.

Dies lässt den Schluss zu, dass dem Arbeitszeugnis eigentlich keine beachtung geschenkt werden sollte. Was effektiv drin steht ist eine Sammlung der positiven Aspekte. Was aber wirklich interessiert, ist das was im Zeugnis eben NICHT steht. Es ist somit interpretationssache, ob etwas das nicht im Arbeitszeugnis steht einfach nicht erwähnt wurde oder ob der Bewerber in diesem Bereicht wirklich nicht seine Stärken hat.

Was meint ihr, Arbeitszeugnisse abschaffen oder gibt es gute Gründe dagegen?

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  1. Arbeitszeugnisse waren, sind und werden immer einen subjektiven Charakter haben und Spielraum für Interpretationen lassen. Ich bin einig mit dir, dass das, was zwischen den Zeilen oder eben gar nicht erwähnt wird, fast wichtiger ist, als die allgemeinen Floskeln, die so verwendet werden. Auch steht und fällt das AZ mit den Skills des Ausstellers, welcher in einer grösseren Unternehmung sicher besser für diese Aufgabe geschult ist.

    Grundsätzlich macht es als Ergänzung Sinn, um evtl. ein Bild abzurunden, auch wenn es positiv formuliert sein muss (ist sicher sinnvoll, siehe Kritiken bei DSDS und so.

    Und wenn kein AZ, was dann? Das Einholen von Referenzen hat ja auch so seine Tücken und ist stark subjektiv geprägt. Mathematische Verfahren gibt es wohl auch keine und die Einführung eines Zeugnisses à la Schule hätte sicher auch gewisse Nachteile. Ich hätte auf jeden Fall keine Lust, wöchentlich Prüfungen zu schreiben, du wahrscheinlich auch nicht ;-).

    Schlussendlich bist du ja aufgrund des päd. Sozialpädagogen auf die Frage gekommen. An dieser Stelle wäre es viel wichtiger, den Datenschutz so anzuwenden, dass er nicht zum Täterschutz wird. Dies insb. dann, wenn Gesetzesverstösse vorliegen, welche in unmittelbarem Zusammenhang mit der Berufsausübung stehen.

    • Die fehlende Alternative hab ich auch noch nicht gefunden. Ohne die wird’s wohl nie was, das stimmt.

      Meine erste Idee waren Referenzen, hier hätte der ehemalige Arbeitgeber die Möglichkeit seine Aussagen zu erklären und der Anrufer kann nachfragen. Aber wie du schreibst, hat auch diese Variante ihre Tücken. Natürlich werden nur die gutgesinnten Referenzen angegeben. Die z.B. letzten drei Arbeitgeber als Referenzen zu erzwingen ist wohl auch nicht immer glücklich.

      Datenschutz ist hier sicher ein relevantes Thema. Hierzu werde ich mich aber ein andermal äussern, werde mich mal wieder vertieft mit dem Thema auseinandersetzen …

      • Ich gehe mit euch einer Meinung, dass ein Arbeitszeugnis sicherlich ein subjektiver Eindruck des Verfassers ist (wenn der Verfasser die Person überhaupt kennt über welche Sie schreibt. Häufig werden ja lediglich Inputs des Vorgesetzten an das HR übergeben, welche dann ein Schreiben aufsetzen).

        Das Problem mit den Codierungen ist ja bekannt, obwohl im Schreiben “uncodiert” draufsteht, würde ich bei Formulierungen wie: “Er gab sich steht’s Mühe die Ziele zu erreichen” eher schmunzeln als das ernst zu nehmen.
        Somit können Codierungen sowieso gar nie vermieden werden.

        Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Merkmale wie Fleiss und Qualität welche nicht erwähnt werden, immer ein schlechtes Anzeichen sind. Es ist somit in der Verantwortung des Arbeitnehmers fehlende Formulierungen zu bemerken und Ergänzungen zu verlangen. Dies setzt aber eine gewisse Kenntnis im Lesen von Arbeitszeugnissen voraus, welches ja nicht zwangsläufig gegeben sein muss.

        Die ganze Sache mit den Referenzen scheint mir auch eher unglücklich zu sein. Referenzen holt man in der Regel erst bei den “Final-Kandidaten” ein. Der Aufwand eine telefonische Referenz über einen ehemaligen Angestellten abzugeben ist für den Arbeitgeber relativ hoch. Insbesondere wenn dann jede potentielle Firma bei jedem auch nur irgendwie potentiellen Kandidaten anruft. Die Qualität der einzelnen Auskunft würde wohl unter der Quantität leiden. Ein Schreiben welches eben genau diese Referenz darstellt, erscheint mir indes also einfacher.

        Ich denke jedoch, die letzten 2 Arbeitgeber, resp. die letzten 5 Jahre müssen immer als Referenz herhalten.

        Was bei uns noch nicht so verbreitet ist, ist das „Try and hire“-Prinzip. So hätte ein potentieller Angestellter die Chance sich zu profilieren und das Unternehmen geht nicht ein allzu grosses Risiko ein. Dies wäre sowieso nur in gewissen Branchen und Gehaltsklassen möglich. Aus Sicht des Bewerbers wäre dies natürlich eine Verschlechterung gegenüber der direkten Festanstellung, aber ich bin der Meinung, immer noch besser als gar nichts.

        Wobei uns auch das der Antwort auf die Ursprungsfrage betr. dem Pädagogen und den Arbeitszeugnissen keinen Schritt weiter bringt…..

  2. Ich habe auch schon gehört dass Jemand, der sich jähzornig am Arbeitsplatz verhielt, sogar selber künden durfte und sogar noch ein gutes Zeugnis bekam. Da versteh ich die Welt nicht mehr! Daher wäre ich eher für Zeugnisnoten, die sind viel klarer als die dofe manachmal sogar codierte Zeugnisgeschwätz.

  3. Zweifellos ein ziemlich heikles Thema…In diesem Bereich wird aber normalerweise noch ein Abstrakt des Strafregisters verlangt.


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