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17Apr/110

Auch die Buchindustrie rafft’s nicht

Nachdem die Musik- und Filmindustrie das neue Zeitalter verschlafen haben, geht's jetzt auch der Buchindustrie an den Kragen. In der Sonntagszeitung war heute ein interessanter Bericht über E-Books und die dadurch entstandenen Möglichkeiten Bücher selber zu verlegen.

Amazon hat mit ihrem E-Book-Reader Kindle den ersten Schritt gemacht und bietet dazu gleich den eigenen E-Book-Store an. Dieser ist aber leider in der Schweiz noch nicht verfügbar, allenfalls wird von seiten Amazon abgewartet, was bezüglich Buchpreisbindung in der Schweiz passiert, hierzu schreibe ich aber vielleicht später mal noch was. Wer denkt, E-Books seien kein Markt, sollte sich mal die Zahlen von Amazon anschauen. In Amerika wurden im letzten Jahr erstmals mehr E-Books als Taschenbücher verkauft. Auch in England hat der E-Book-Verkauf stark angezogen, als der britische Kindle-Store öffnete.

Über den Kindle-Store ist es nun jedem Schriftsteller möglich, seine Werke als E-Books zu vertreiben. Das Vorgehen ist einfach, man lädt einen formatierten Text hoch und bestimmt den Preis. Kurze Zeit später steht das E-Book im Kindle-Store bereit. Ein Selbstverleger erhält so zwischen 35 und 70 Prozent des Verkaufspreises für sich. Zum Vergleich: Über einen Verlag erhält der Schriftsteller 10 bis 12 Prozent vom Ladenpreis für gedruckte Bücher und 20 bis 25 Prozent für E-Books.

Amanda Hocking suchte über acht Jahre nach einem Verlag für ihre Vampirromane und erhielt nur Absagen. Im letzten Jahr publizierte sie ihre Werke als E-Books im Internet. Unterdessen verkauft sie 400'000 Romane monatlich und ist dadurch schon länger zur Millionärin geworden.

Und wie reagieren die Verlage auf diesen Trend? Sie glauben nicht, dass sich ihr Verlagsmodell überholt hat. Nachdem die Zeitungsindustrie schon lange mit dem Internet zu kämpfen hat, glauben also auch die Verlage, dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Auch sie werden sich also an ihr Modell klammern und sich dann wohl darauf beschränken sich als Opfer darzustellen und Selbstverleger wie auch das Internet zu verteufeln. Klar, durch ihre Selektion bringen sie eine gewisses Mass an Qualität. Unterdessen verlasse ich mich aber lieber auf die Communities im Internet und die Rezessionen die zum Beispiel bei Amazon (hauptsächlich) von Privatpersonen gemacht werden.

Ich hoffe, Amazon wird auch bald bei uns den Kindle-Store eröffnen. Zwar werde ich mir nicht die Romane von Amanda Hocking zulegen, aber auch bei uns ist innert kürze mit einem grossen Angebot zu rechnen wo jeder was finden wird. Und wer sich bereits für den Kindle interessiert findet auf dem Blog vom JCFrick einen Testbericht des neuen Kindle 3.

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