Red Queen – Alex's Blog It takes all the running you can do, to keep in the same place.

3Nov/130

Privatsphaere Adieu?

Nachfolgenden Text habe ich als Leserbrief an die Zeitung gesandt.

Vermutet wurde es schon lange. Was durch die Aufdeckung von Edward Snowden in den letzten Wochen aber bekannt wurde, übersteigt manches Vorstellungsvermögen. Internet-Firmen bauen für ihre Regierung spezielle Hintertüren ein, um eine Überwachung zu ermöglichen und Verschlüsselungen zu umgehen. Die gesamte Kommunikation zwischen Kontinenten wird vollständig wegkopiert und ausgewertet. Und was waren die Reaktionen? Bis vor kurzem kaum etwas, man kann fast annehmen, unsere Privatsphäre sei schon abgeschrieben.

Doch plötzlich, als bekannt wird, dass auf höchsten Regierungsstufen Telefongespräche abgehört werden, wird endlich reagiert. Bei der eigenen Privatsphäre endet dann wohl die Toleranz, zumindest geht es jetzt ja um die nationale Sicherheit. Während unsere grossen Nachbarn die Amerikaner rügen und Druck ausüben kommt auch die Reaktion aus der Schweiz: wir fordern globale Standards bei der Überwachung.

Was ich daraus interpretiere:
- Bezüglich dem Schutz unserer eigenen Privatsphäre ist von der Regierung nicht viel zu erwarten.
- Es scheint, die Überwachungen waren bereits bekannt und somit geduldet.
- Wieder eine Bestätigung dafür, dass wir uns den Amerikanern unterordnen.

Es ist dann auch nachvollziehbar, dass ein Abkommen wie FATCA genehmigt wird. Ein einseitiges Abkommen, das die Durchsetzung des amerikanischen Rechts auf Schweizer Boden ermöglicht und unsere Banken dazu zwingt, Bankdaten und Kreditkarteninformationen von Schweizer Einwohnern an das US-Finanzministerium zu liefern.

Ist es schon zu spät, sich über Privatsphäre der Bevölkerung zu unterhalten?

Alex Arnold, Piratenpartei St.Gallen und beide Appenzell

11Jun/112

“Privatsphäre ist sowas von Eighties”

Datenschutz funktioniert heute nicht mehr, aktuelle Diskussionen um den Schutz von Daten gehen an der Realität vorbei.

Im März diesen Jahres führte ein Interview im Spiegel Online zu vielen emotionalen Diskussionen. Julia Schramm (laprintemps auf Twitter) hat sich darin zu ihren Überlegungen zu Datenschutz geäussert. Als Mitglied einer Gruppe, bekannt unter dem Namen datenschutzkritische Spackeria, haben sie sich Überlegungen zu dem Kontrollverlust der Informationen im Internet, der in letzter Zeit öfter festgestellt wird, und über ein Leben in einer Post-Privacy-Gesellschaft gemacht.

Der Schutz der eigenen Daten wird in Zukunft immer weniger von zentralen Institutionen oder Fürsorgern gewährleistet werden können. Jedem Einzelnen muss daher seine eigene Rolle im Datenschutz klarer gemacht werden. Dies ist eine aufklärerische Aufgabe.

Die Überlegungen sind sehr interessant und regen zum Nachdenken an. So wird in einem Berichte aufgezeigt, dass Datenschutz nicht richtig funktionieren kann:

  • Der Staat, vor dem uns die Datenschutzgesetze am meisten schützen sollten, ist auch der, der die Gesetze eigentlich macht,
  • Firmen verlegen ihren Sitz in ein Land in dem unser Datenschutz nicht mehr gilt und
  • Private kann man zwar bestrafen, das nützt dem Opfer aber schlussendlich wenig, wenn seine Privatsphäre verletzt wurde.

Auch werden die Vorteile einer (fast absoluten) transparenz aufgezeigt und wohin diese führen würde.

Trotz allem bin ich der Meinung, dass jeder selber über seine eigenen Daten bestimmen können soll und wir alles unternehmen sollten, dieses Recht auf informationelle Selbstbestimmung und unsere (persönlichen) Daten zu schützen unternehmen sollten. Allenfalls sollten wir noch etwas an der Medienkompetenz arbeiten um jeden vor der Veröffentlichung seiner eigenen Privatsphäre zu "schützen".

Auf jeden Fall regen die Überlegungen zum Nachdenken an und zeigen uns die Grenzen des Datschutzes auf. Obwohl uns Datenschutzgesetz einen gewissen Schutz bieten, sind wir doch in den meisten Fällen selber diejenigen, die unachtsam mit den eigenen Daten umgehen.

Weitere Informationen zu dem Thema: